Adriaen van der Kabel (1631-1705), Zugeschrieben – Pastorale italienisierende holländische Landschaft
Künstler: Adriaen van der Kabel (Rijswijk, 1631 – Lyon, 1705), zugeschrieben
Pastorale holländisch-italienisierende Landschaft
Medium: Öl auf Leinwand
Abmessungen: 37 × 48 cm; inklusive Rahmen 62,5 × 72 cm
Stil: Niederländisches Goldenes Zeitalter / Italienisierende Landschaft (italienischer Barock-Einfluss)
Signatur: Handsigniert mit Monogramm „AK“/„AVK“, mittig unten.
Zustand: Doubliert; vergilbter Firnis; Craquelé; einige alte Retuschen (UV-Licht).
Provenienz: Nicht dokumentiert
Einleitung
Diese raffinierte Landschaft, Adriaen van der Kabel (1631–1705) zugeschrieben, bietet genau das, was die besten italienisierenden Werke des Goldenen Zeitalters der Niederlande so beliebt macht: ein überzeugendes Raumgefühl, ein weiches, mediterranes Licht und eine sorgfältig konstruierte Kulisse aus Felsen und Blättern, die den Blick in die Ferne lenkt. Van der Kabel entwickelte sich von einer anfänglich eher „holländischen“ Landschaftskonzeption zu einer wärmeren, südlichen Bildsprache nach seinen Jahren in Italien und seiner späteren Karriere in Frankreich.
Beschreibung und Komposition
Die Komposition ist klassisch und durchdacht in Schichten aufgebaut. Im Vordergrund bildet ein erdfarbener Weg mit Hirten- und Viehstaffage einen lebhaften Einstieg in die Szene. Links öffnet sich ruhiges Wasser mit Blick auf ein weites Tal und blaue Hügel in der Ferne; rechts dominiert eine dunkle Masse aus Bäumen und Felsen, die als Repoussoir dient und die hellen Himmels- und Wasserbereiche noch mehr zum Leuchten bringt.
Bemerkenswert ist das Gleichgewicht zwischen Intimität und Distanz: Die kleinen Figuren und Tiere geben Maßstab und Erzählung, während die Horizontlinie und der weiche atmosphärische Dunst den Raum dehnen. Das Ganze strahlt eine „ideale“ Landschaft aus: nicht topografisch, sondern komponiert, um Harmonie, Lichteffekte und Reiseassoziationen hervorzurufen – charakteristisch für das italienisierende Idiom innerhalb der niederländischen Tradition.
Technik, Farbauftrag und Farbpalette
Das Gemälde ist in Öl auf Leinwand ausgeführt und besteht aus dünnen, transparenten Schichten in Luft und Wasser, abwechselnd mit opakeren und dunkleren Pinselstrichen in Blättern und Felsen. Der Himmel ist in kühlen blaugrauen und gebrochen weißen Tönen gehalten, wobei warme, leuchtende Wolken den Übergang zum Horizont abmildern. Im Landbereich dominieren reiche Erdtöne – Ocker, Umbra und gebrannte Brauntöne – mit olivgrünen Akzenten im Laub.
Die Figuren und das Vieh sind kompakt gemalt, mit Aufmerksamkeit für Lichtreflexe und Formakzente. Gerade dieses Zusammenspiel aus breiter Landschaftskomposition und charaktervoller Staffage entspricht Van der Kabels Ruf als Zeichner und Maler mit einem „lebhaften und anmutigen“ Pinsel und einer klaren Begabung für Figuren und Tiere.
Stil und Einordnung in die Kunstgeschichte
Im niederländischen 17. Jahrhundert bildete die italienisierende Landschaft eine wichtige Bewegung: Künstler verbanden den nördlichen Fokus auf Atmosphäre und Räumlichkeit mit einem südlichen, idealisierten Landschaftstypus, der teilweise durch Reisen und Drucke befeuert wurde. Adriaen van der Kabel passt in diesen Kontext als Künstler, der in den Niederlanden aus einer eher „holländischen“ Tradition herausging und später stärkere mediterrane Einflüsse aufnahm – eine Entwicklung, die in den verfügbaren biografischen Quellen explizit erwähnt wird.
Vergleichbare nationale Stilkollegen (ohne weitere Erläuterung): Jan Both, Nicolaes Berchem, Karel Dujardin, Aelbert Cuyp; internationale Stilkollegen: Claude Lorrain, Gaspard Dughet.
Der Künstler: Hintergrund und Kontext (Faktenbasis)
Adriaen van der Kabel war ein niederländischer Künstler, der als Maler, Zeichner und Kupferstecher tätig war. Er wurde in Rijswijk geboren und starb 1705 in Lyon. Biografische Überlieferungen um seinen Namen verweisen auf eine Verbindung zu Jan van Goyen: Sowohl in der Zusammenfassung der niederländischen Wikipedia als auch in der (übersetzten) Passage von Houbraken wird erwähnt, dass Van der Kabel der Überlieferung nach ein Schüler Van Goyens war und dass sein Familienname in Quellen als „Van der Touw“ bezeichnet wird, zusammen mit der bekannten Geschichte der Namensänderung.
Es ist auch dokumentiert, dass Van der Kabel mehrere Jahre nach Rom reiste und sich dann in Lyon niederließ, wo er heiratete und bis zu seinem Tod aktiv blieb – eine Lebenslinie, die überzeugend zu einem Oeuvre passt, in dem nördliche und südliche Landschaftskonzepte zusammenfließen.
Signatur und Zuschreibung
Das Werk ist handsigniert mit dem Monogramm „AK“ oder „AVK“ (mittig unten). Im Auktionskontext ist es korrekt, dies als wichtiges identifizierendes Element zu erwähnen, wobei die Qualifikation „zugeschrieben“ ebenfalls sorgfältig gehandhabt werden muss: Stilistische Übereinstimmungen (Kompositionsstruktur, atmosphärische Tiefe, Staffagefunktion und Beleuchtung) unterstützen die Zuschreibung, doch ohne zusätzliche technische Dokumentation (wie Datierung durch Materialanalyse, Pigment-/Bindemittelanalyse oder eine ausgearbeitete Provenienzkette) bleibt eine nuancierte Katalogformulierung angemessen.
Zustand und Restaurierungshinweise
Die Leinwand ist doubliert, was auf eine frühere Konservierungsmaßnahme zur Sicherung der Stabilität hindeutet. Der vorhandene vergilbte Firnis beeinträchtigt die Klarheit der hellen Bereiche und kann die Palette wärmer erscheinen lassen, als ursprünglich beabsichtigt. Craquelé ist sichtbar, und unter UV-Licht sind einige alte Retuschen zu erkennen. Dieser Zustand ist bei Gemälden aus dem 17. Jahrhundert, die im Laufe der Zeit gepflegt wurden, nicht ungewöhnlich. Bei Bedarf könnte eine zukünftige, spezialisierte Reinigung und Firnisbehandlung (natürlich durch einen professionellen Restaurator) das Raumgefühl in Luft und Wasser verstärken und die Tonalität im Grün prägnanter machen, vorausgesetzt, dies ist innerhalb des bestehenden Aufbaus von Firnis- und Retuscheschichten verantwortungsvoll.
Auflistung und Präsentation
Das Gemälde wird mit einem reich verzierten Rahmen angeboten, der dem Werk ein ausgesprochen klassisches Aussehen verleiht. In Kombination mit seiner intimen Größe eignet sich dieses Los besonders gut als „Kennerstück“: Aus der Nähe überzeugen der Pinselstrich und die Staffage; aus der Ferne fungiert die Komposition als ruhiger, schicker Ankerpunkt in einem Interieur.
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